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Bundesverband Caritas 
Kinder- und Jugendhilfe e.V.
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Das Bild zeigt eine Person mit Kopfhörern, die auf einen transparenten Bildschirm mit digitalen Anzeigen und Texten blickt.

Factsheet Jugendberufshilfe/Berufliche Bildung

Jugendberufshilfe/Berufliche Bildung

Factsheet

Gesellschaftliche Relevanz

Der Übergang von der Schule in Ausbildung und Beruf ist eine zentrale Weichenstellung im Leben junger Menschen. Für Jugendliche mit sozialen Benachteiligungen, individuellen Beeinträchtigungen oder belastenden Lebenslagen ist dieser Übergang jedoch häufig mit erheblichen Hürden verbunden. Besonders betroffen sind junge Menschen aus den Hilfen zur Erziehung, Care Leaver:innen, junge Menschen mit psychischen Belastungen, Behinderungen, Fluchterfahrungen oder fehlender familiärer Unterstützung.

2,86 Millionen junge Erwachsene (20 - 34 Jahre) sind in Deutschland ohne Berufsabschluss. Fast jede:r fünfte junge Erwachsene startet ohne Berufsabschluss in das Erwerbsleben.

Gleichzeitig verschärfen Fachkräftemangel, demografischer Wandel und steigende Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt die gesellschaftliche Bedeutung erfolgreicher Übergänge in Ausbildung und Beschäftigung. Jeder junge Mensch, der dauerhaft vom Bildungs- und Beschäftigungssystem ausgeschlossen bleibt, bedeutet nicht nur individuelles Leid, sondern auch erhebliche gesellschaftliche und volkswirtschaftliche Folgekosten.

Für diese Aufgabe bietet die Jugendberufshilfe bewährte Lösungsansätze.

Beschreibung der Zielgruppe

    Jugendberufshilfe richtet sich an junge Menschen zwischen 15 und 27 Jahren, die beim Übergang in Ausbildung und Arbeit besondere Unterstützung benötigen.

    Hierzu zählen insbesondere

    • junge Menschen ohne Schul- oder Berufsabschluss
    • Jugendliche mit Lernbeeinträchtigungen oder Behinderungen
    • junge Menschen mit psychischen Belastungen oder Traumafolgen
    • Care Leaver:innen und junge Volljährige
    • junge Geflüchtete
    • junge Menschen aus belasteten Familienverhältnissen
    • Jugendliche mit Erfahrungen von Armut, Wohnungslosigkeit, Verschuldung oder Sucht
    • sogenannte ‚schwer erreichbare‘ junge Menschen, die von den Regelsystemen nicht mehr ausreichend erreicht werden.

    Diese jungen Menschen benötigen individuelle Begleitung und verlässliche Unterstützungsstrukturen, um vorhandene Potentiale zu entfalten.

    Gesetzliche Grundlagen der vielfältigen Angebote der Jugendberufshilfe sind, u. a. § 1 SGB VIII[1], § 13 SGB VIII[2], § 27 SGB VIII[3], § 41 SGB VIII[4], § 16h SGB II[5], SGB § 45 III[6], 48 SGB III[7], § 51 SGB III[8], §§ 74, 75 SGB III[9] & § 76 SGB III[10].



    [1] Recht auf Förderung

    [2] Jugendsozialarbeit

    [3] Hilfe zur Erziehung

    [4] Hilfe für junge Volljährige

    [5] Förderung schwer zu erreichender junger Menschen

    [6] Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung

    [7] Berufsorientierungsmaßnahmen

    [8] Berufsvorbereitende Maßnahmen

    [9] Assistierte Ausbildung

    [10] Außerbetriebliche Ausbildung

     

Empirische Datengrundlage

Wissenschaftliche Studien zeigen übereinstimmend, dass insbesondere sozial benachteiligte und psychisch belastete junge Menschen überdurchschnittlich häufig von Brüchen im Übergangssystem betroffen sind. Viele erleben wiederholte Maßnahmen, Ausbildungsabbrüche oder Phasen der Arbeitslosigkeit.

Untersuchungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), des Deutschen Jugendinstituts (DJI), von REHADAT sowie verschiedener Hochschulen belegen, dass insbesondere junge Menschen mit Behinderungen, psychischen Belastungen oder prekären familiären Ausgangslagen deutlich geringere Chancen auf einen direkten Übergang in Ausbildung und Beschäftigung haben. Gleichzeitig zeigen die Studien, dass frühe, kontinuierliche und sozialpädagogisch begleitete Unterstützungsangebote die Erfolgschancen erheblich verbessern.

Wirksamkeit der Jugendberufshilfe/Beruflichen Bildung

Jugendberufshilfe wirkt dank bedarfsgerechter Begleitung der jungen Menschen weit über die Vermittlung in Ausbildung und Arbeit hinaus.

Sie trägt nachweislich dazu bei,

  • Schul- und Ausbildungsabschlüsse zu erreichen und Übergänge in den Arbeitsmarkt zu gestalten.
  • Ausbildungsabbrüche zu vermeiden.
  • die Beschäftigungsfähigkeit zu erhöhen.
  • langfristige Abhängigkeiten von Transferleistungen zu vermeiden.
  • soziale und gesellschaftliche Teilhabe zu stärken.
  • den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu unterstützen.
  • psychische Stabilisierung, Selbstvertrauen und Selbstwirksamkeit zu fördern.
  • Anbindungen an Hilfesysteme zu sichern.

Besonders wirksam sind Angebote, die berufliche Qualifizierung mit sozialpädagogischer Begleitung verbinden und individuelle Problemlagen berücksichtigen. In dieser Kombination werden Ausbildungsabschlüsse ermöglicht.

Volkswirtschaftlicher Nutzen: Jugendberufshilfe/Berufliche Bildung rechnet sich!

Jugendberufshilfe ist nicht nur sozialpolitisch sinnvoll, sondern auch wirtschaftlich rentabel.

Analysen zum ‚Social Return on Investment‘ (SROI) zeigen, dass Investitionen in Bildungs-, Präventions- und Unterstützungsmaßnahmen für junge Menschen positive Renditen ausweisen. Erfolgreiche Übergänge in Ausbildung und Arbeit führen zu

  • höheren Steuer- und Sozialversicherungsbeiträgen
  • geringeren Ausgaben für Transferleistungen
  • ·niedrigeren Gesundheitskosten
  • geringeren Folgekosten durch Wohnungslosigkeit, soziale Ausgrenzung oder Kriminalität
  • einer besseren Fachkräftesicherung
  • mehr gesellschaftlichem Frieden

Jugendberufshilfe muss daher als eine nachhaltige und notwendige Zukunftsinvestition und nicht als Kostenbelastung betrachtet werden.

Zentrale Wirkfaktoren für eine erfolgreiche Jugendberufshilfe/Berufliche Bildung

Studien identifizieren mehrere Erfolgsfaktoren:

  • verlässliche, professionelle Beziehungen zwischen Fachkräften und jungen Menschen
  • individuelle und passgenaue Unterstützung
  • ausreichend Zeit für Entwicklungsprozesse
  • Kontinuität der Begleitung
  • lebensweltorientierte und praxisnahe Angebote
  • enge Verzahnung von Bildung, Qualifizierung und sozialpädagogischer Unterstützung
  • positive Feedback- und Beteiligungskultur
  • gute Kooperation zwischen Jugendhilfe, Schule, Arbeitsverwaltung und Betrieben

Besonders wichtig ist die Verbindung von beruflicher Förderung mit psychosozialer Stabilisierung.

Realbiographischer Einblick

P. war bei der Beratung 16 Jahre alt und besuchte die 10. Klasse einer Realschule. Aufgrund erheblicher schulischer Schwierigkeiten und sozialer Ausgrenzung brach sie die Schule mit einem Hauptschulabschluss ab. Sie wollte direkt eine Ausbildung beginnen, hatte jedoch noch keine konkrete berufliche Orientierung. Da der Schulabbruch erst Mitte September erfolgte, waren viele Ausbildungsplätze bereits vergeben. Gleichzeitig stand sie unter familiärem Druck, da ihre Mutter die Entscheidung kritisch sah. Im Beratungsgespräch zeigte P. Interesse an kaufmännischen Tätigkeiten. Über das Berufsorientierungsprojekt 400+ Zukunft erhielt sie in den Bereich Büro und Verwaltung. Dort entwickelte sie eine klare berufliche Perspektive und erhielt einen Ausbildungsplatz. Heute absolviert sie erfolgreich eine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement.

Handlungsempfehlungen für Politik

  • Jugendberufshilfe als wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung anerkennen
  • Wirkung und volkswirtschaftlichen Nutzen sozialer Investitionen systematisch erfassen und in politische Entscheidungen einbeziehen
  • Jugendberufshilfe als eigenständigen und unverzichtbaren Bestandteil der Kinder- und Jugendhilfe stärken
  • Rechtskreisübergreifende Kooperation zwischen SGB II, III und VIII verbindlich ausbauen und sozialpädagogisch begleitete berufliche Bildungsangebote dauerhaft absichern und finanzieren
  • Hilfen für junge Volljährige konsequent am individuellen Bedarf ausrichten
  • Übergänge für Care Leaver:innen und junge Geflüchtete absichern
  • Psychische Gesundheit und psychosoziale Stabilisierung stärker durch bedarfsgerechte Angebote absichern.

Fazit

Jugendberufshilfe schafft Perspektiven für junge Menschen, die auf dem ‚regulären Weg‘ oft nicht erreicht werden. Sie ermöglicht Bildungsabschlüsse, fördert gesellschaftliche Teilhabe und sichert Fachkräfte von morgen. Gleichzeitig reduziert sie langfristig soziale Folgekosten und stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Wer in Jugendberufshilfe investiert, investiert in wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, Chancengerechtigkeit und in die Zukunft unserer Gesellschaft.

Factsheet Jugendberufshilfe/Berufliche Bildung

Factsheet: Jugendberufshilfe/Berufliche Bildung als PDF herunterladen
PDF | 283,5 KB

Factsheet: Jugendberufshilfe/Berufliche Bildung

Factsheet als Worddokument

Das Factsheet und die Anschreiben stellen wir Ihnen auf Anfrage unter bvke@caritas.de gerne auch als Word-Dokument zur Verfügung.
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