Freiburg/Berlin, 23.04 2026.
In einer Zeit, in der die Bedarfslagen junger Menschen und ihrer Familien zunehmend komplexer werden, diskutiert die Bundesregierung ohne Beteiligung der Zivilgesellschaft umfassende Einsparungen zulasten von Kindern, Jugendlichen und Familien. Der Bundesverband Caritas Kinder- und Jugendhilfe e. V. (BVkE) warnt: Die "Sparvorschläge" stellen grundlegende Rechte junger Menschen und ihrer Familien infrage: mit langfristigen Folgen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Das intransparente Vorgehen schädigt zudem das Vertrauen in die Funktionsfähigkeit unserer Demokratie.
In Deutschland leben rund 14,3 Millionen Minderjährige. In einer alternden Gesellschaft stellen sie eine Minderheit dar und sind daher in zunehmendem Maß auf den Schutz und die Verantwortung durch Erwachsene und das gesellschaftliche System angewiesen. Gleichzeitig werden die Interessen von Kindern und Jugendlichen jedoch immer weniger berücksichtigt. Es zeigt sich deutlich, dass Kinder und Jugendliche in unserer Gesellschaft und bei politischen Abwägungsprozessen keine Priorität haben. Bei politischen Entscheidungen geraten ihre Belange kontinuierlich und systematisch in den Hintergrund.
Seit Beginn der Legislatur werden aus Regierungskreisen die Kosten in der Kinder- und Jugendhilfe und in der Eingliederungshilfe öffentlich kritisiert. Ausgerechnet die Hilfesysteme, die ein gesundes Aufwachsen sichern und gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen, geraten unter besonderen politischen Rechtfertigungsdruck. Sie werden pauschal als ineffizient und überteuert dargestellt. Eine solche Entwicklung ist nicht nur finanzpolitisch zu bewerten, sondern Ausdruck einer grundlegenden Haltung.
Welche Priorität räumt unsere Gesellschaft der Entwicklung und Teilhabe junger Menschen ein?
Die aktuellen politischen Entwicklungen geben erheblichen Anlass zur Sorge. Mit dem Referentenentwurf des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) zur Reform der Kinder- und Jugendhilfe wird ein Systemwechsel vorgeschlagen. Statt passgenauer Hilfen rücken standardisierte Formen der Leistungserbringung in den Vordergrund. Erfahrungswerte zeigen hingegen, dass standardisierte Formen der Leistungserbringung nicht gleichermaßen wirksam sein können, wie passgenaue Hilfen.
Parallel zu dieser ohnehin schon besorgniserregenden Entwicklung wird ein internes Arbeitspapier einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe mit noch weitreichenderen Einsparungsmöglichkeiten öffentlich. Unter dem Titel "Effektiver Ressourceneinsatz bei Leistungsgesetzen" werden Sparvorschläge benannt, die ausschließlich fiskalischen Logiken folgen und fachliche sowie rechtliche Anforderungen weitestgehend ausblenden.
"Diese Vorschläge greifen unmittelbar in die individuellen Rechte junger Menschen ein. Sie richten sich nicht gegen überzogene Leistungen, sondern stellen einen wirksamen Ausgleich von Benachteiligungen grundsätzlich infrage." erklärt Thomas Domnick, Vorsitzender des BVkE. "Dass dabei auch das Subsidiaritätsprinzip erheblich unter Druck gerät, zeigt die fachliche Schieflage dieser Politik".
Der BVkE fordert die politisch Verantwortlichen auf, die Reform der Kinder- und Jugendhilfe konsequent an den Rechten und Bedarfen junger Menschen auszurichten. Reformen, die vorrangig fiskalischen Zwecken dienen und zulasten junger Menschen gehen, gefährden den Zusammenhalt und die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft.