BVkE-Info 2/2026
Ganztagsbetreuung an Grundschulen ist längst zu einer zentralen gesellschaftlichen Aufgabe geworden, vielfach geht es jedoch um die Erhöhung der Erwerbsarbeit von Frauen, die Reduktion von Teilzeitarbeit und damit um klare wirtschaftliche Interessen.
Ganztagsbetreuung ist aber mehr. Sie ist nicht nur ein bildungspolitisches Projekt - sie ist ein gesellschaftliches Versprechen. Ein Versprechen darauf, dass jedes Kind, unabhängig von Herkunft, Ressourcen oder familiären Voraussetzungen, die gleichen Chancen erhält, sich zu entfalten. Und genau deshalb darf Ganztag nicht als organisatorische Pflichtübung verstanden werden, sondern als politische Gestaltungsaufgabe, die Mut, Haltung und eine klare Vision verlangt.
Der kommende Rechtsanspruch ab Sommer 2026 kann ein wichtiger Schritt in Richtung Chancengleichheit sein. Dies ist jedoch abhängig von der Qualität, die zugrunde gelegt wird. Ganztag bedeutet nicht, Kinder länger in der Schule zu lassen. Ganztag bedeutet, ihnen mehr Raum zu geben: für Bildung, für Beziehung, für Entwicklung. Dafür braucht es pädagogisch qualifizierte Fachkräfte, multiprofessionelle Teams und eine echte Verzahnung von Schule und Jugendhilfe. Denn gerade die Jugendhilfe bringt das mit, was Schule allein nicht leisten kann: sozialpädagogische Expertise, lebensweltorientierte Perspektiven und die Fähigkeit, Kinder ganzheitlich zu begleiten - nicht nur im Lernen, sondern im Leben.
Die Themenschwerpunkte in dieser Ausgabe sind deshalb:
- Rechtsanspruch auf Ganztag in den Ferien: Potenziale und Risiken der Rolle der Jugendarbeit
- Ganztag mit Anspruch - Qualitätsentwicklung im Kontext des Rechtsanspruchs
- Aus der Praxis: Einblicke aus zwei Mitgliedseinrichtungen zum Stand der Umsetzung des Rechtsanspruchs auf Ganztagsförderung im Grundschulalter
