Die Reform der Kinder- und Jugendhilfe wird seit mehreren Jahren intensiv fachlich und politisch vorbereitet. Bereits in zwei zurückliegenden Legislaturperioden wurden zentrale Weichenstellungen diskutiert, Beteiligungsprozesse durchgeführt und Erwartungen formuliert. Mit dem vorliegenden Referentenentwurf wird diese Entwicklung nun in einer dritten Legislaturperiode fortgeführt.
Der Evangelische Erziehungsverband e.V. (erev) würdigt die Kontinuität dieses Reformprozesses sowie den Anspruch, die Kinder- und Jugendhilfe inklusiv, präventiv und zukunftsfähig weiterzuentwickeln.
Der Entwurf enthält neben kritischen Punkten auch fachlich relevante Weiterentwicklungen. Hierzu zählen insbesondere die stärkere systematische Verankerung inklusiver Leistungen, die Erweiterung von Kombinationsmöglichkeiten unterschiedlicher Hilfearten, die Integration beruflicher Teilhabeleistungen in das SGB VIII sowie die Weiterentwicklung der Frühförderung. Diese Aspekte sind ausdrücklich zu begrüßen.
Mit der Dauer und Tiefe des Prozesses steigt jedoch auch die Erwartung, dass die vorliegenden Regelungen fachlich tragfähig, rechtlich klar und praktisch umsetzbar sind. Vor diesem Hintergrund sieht der erev im aktuellen Referentenentwurf grundlegenden Klärungsbedarf. Insbesondere die Verlagerung der Steuerungslogik von der individuellen Bedarfsermittlung hin zu strukturellen Angebotsformen bedarf einer kritischen Neubewertung.