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Sozialcourage Inklusion

Augenmass folgt erster Euphorie

Auf der Regionaltour des Diözesancaritasverbandes informierten Einrichtungen und Kommunalpolitiker über die Grenzen der Inklusion behinderter Menschen.

Die erste Euphorie, ausgelöst durch die Verabschiedung der UN-Konvention zur Integration behinderter Menschen, scheint verflogen. Nach den ersten drei Tagen der Regionaltour des Diözesancaritasverbandes im Kreis Warendorf hatten die leitenden Mitarbeiter nach vielen Besuchen in Einrichtungen und Gesprächen mit Kreis- und Kommunalpolitikern den Eindruck gewonnen, "dass auch im Kreis Warendorf politisch eher eine Inklusion mit Augenmaß verfolgt werden wird." Diözesancaritasdirektor Heinz-Josef Kessmann begrüßte dieses Umdenken in der Vinzenz-von-Paul-Schule in Beckum. Auch auf Landesebene sei neue Zögerlichkeit nach den Versprechungen vor der Wahl spürbar, stimmte Dr. William Middendorf, Leiter des Bischöflichen Schulamtes, zu. Dabei sei es keine Frage, dass die Caritas an jeder Stelle die weitestgehende Inklusion anstrebe, so Kessmann. Was möglich sei, müsse allerdings für jeden Standort und jedes Kind entschieden werden. Eine Woche war die Caritas-Delegation insgesamt im Kreis Warendorf zum Jahresthema "Kein Mensch ist perfekt" unterwegs.

Die Grenzen der Inklusion behinderter Kinder erfahren Schulleiter Thomas Feldmann und seine 50 Mitarbeiter im Alltag. Eine integrative Beschulung in der Grundschule kann sich Thomas Feldmann für viele seiner Schüler noch vorstellen. Selbst da seien die Ziele allerdings schon unterschiedlich. Während in der Förderschule die Persönlichkeitsentwicklung im Vordergrund stehe, gehe es in der Regelschule eher darum, Lesen und Mathematik zu lernen. Mit Übergang in eine weiterführende Schule und der Pubertät gingen die Interessen und Fähigkeiten zunehmend auseinander. "Wir müssen immer wieder Schüler aufnehmen, weil sie vereinsamt sind," sagte Feldmann: "Es passt einfach nicht".

Was nicht heißt, dass sich die Vinzenz-von-Paul-Schule trotz des abgelegenen Standorts in der Bauerschaft Holter nicht um Integration bemüht. Man gehe in die Stadt, organisiere Begegnung über Aktionen. Leitlinie sei, die Schüler "auf dem Weg in eine inklusive Gesellschaft zu begleiten". Aber sie bräuchten ihren Schonraum.

Harald Westbeld

Autor/in:

  • Harald Westbeld
Sozialcourage Ausgabe Münster, 01/2012: caritas.de
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